„BERGE SIND STILLE MEISTER“

9 Markierungen auf dem Weg durchs Gebirge

  1. Der Eintritt
  2. Das Gehen
  3. Die Sehnsucht
  4. Die Stille
  5. Die Weite
  6. Der Gipfel
  7. Die Einsamkeit
  8. Die Erschöpfung
  9. Das Ziel
Wanderungen vom Hotel Falknerhof, Niederthai in die Ötztaler Alpen

Der Eintritt

Die Wege ins Gebirge gleichen immer einem Eintritt in einen Raum, der durch die Atmosphäre der Grenzbegegnung, die Bewegung des Übersteigens und Überschreitens und einer gewissen Zeitlosigkeit und veränderter Raumdimension geprägt ist.

Diesen Raum erleben wir oft als eine atmosphärische Wahrnehmung: die Erfahrung der sonderbaren Stille, die Schau in eine wundersame Weite, das Abtauchen in eine erfüllte Leere.

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Das Gehen

Gehen heißt auch Aufbrechen, sich in Bewegung setzen. Gehen in ganz verschiedenen Rhythmen ist eine besondere Meditationshaltung. Gehen im Gebirge - meist ein Steigen – und der Weg führt oft mit großen Umwegen und Abweichungen zum Ziel. Ständiges Auf und Ab, viele Unebenheiten, Windungen und Ausweglosigkeiten prägen den Weg – wie im normalen Leben. Gehen ist wie Leben.

Der Aufstieg:

Gehen und Aufsteigen bewusst wahrnehmen. Vor dem Erreichen der Höhe steht ein meist langer beschwerlicher Durchstieg der Waldregion (Reduzierter Blick; verhüllte Landschaft; schattige Wege, verborgener Himmel; oft eintönige Wege, Hoffnung auf Lichtung, Blicköffnung).

Irgendwann lichtet sich der Wald –jenseits der Baumgrenze - besonderer Augenblick: Ausblicke - hier beginnt das Gebirge - neue Schwelle, die uns zur Stille und Leere des Hochgebirges führt - Zeit zum Schauen nehmen, der weitende Himmel, veränderte Formen und Farben, Zeitenthobenheit.

Atmen:

Beim Aufstieg verändert sich der Atem. Er wird kürzer, flacher, schneller, mühsamer. Rhythmus des Atmens wahrnehmen – Atmen als Meditation. Leben ist Atem.

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Die Sehnsucht

Der Berg weckt Sucht nach gelingendem Leben, was zuerst nur als pures Er-Leben wahrgenommen wird.

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Die Stille

Sie ist in den Bergen oft ungeheuer gegenwärtig und raumfüllend. Die Entdeckung der Stille ist eine der eindruckvollsten Erfahrungen auf dem Weg durch die Berge.

Der Aufstieg ist ein langsamer Übergang aus der sich stetig verändernden Natur in die hochalpine Landschaft, in der das Tempo still steht. Hier ist Zeit augenblicklich und ewig zugleich. Das ist der Weg in das sonderbar Stille der Berge. Auch Weg in das tiefe Schweigen der Seele. Freimachen vom Denken des Bilderstroms, Entleerung der Seele.

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Die Weite

Von der Eingeengtheit des Alltags loseisen und den Weg nach oben wählen, der ein Aufatmen erst ermöglicht. In den Bergen kann man Loslassen von einengenden Verpflichtungen, man kann frei durchatmen – tief durchatmen.

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Der Gipfel

Wir haben es geschafft! Der Gipfel ist erreicht. Das Steigen hat ein Ende. Auf- und durchatmen. Phantastische Aussicht – Weitsicht! Empfindungen des Glücks, stille Zufriedenheit, Stolz, Überheblichkeit, Freiheit, Leere? Stilles Plätzchen suchen – sich der Stille überlassen. Nehme meinen Atem wahr – atme Lebensenergie ein.

Am Gipfel grenzen Erde und Himmel aneinander – Augenblick, an dem man sich der irdischen Welt enthoben fühlt. Der Gipfel ist das Ende der Materie – beim Aufstieg ist man der Materie entstiegen – am Gipfel könnte man sie endgültig verlassen. Loslösen vom Ballast „erdhafter“ Begrenzungen – Entmaterialisierung am Gipfel. Der Gipfel ist der Höhepunkt der Wanderung, nicht aber das Ziel.

Nach dem Gipfel-Erlebnis verblasst das Gefühl der Unbeschertheit und Entgrenztheit. Man wird wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, zurück ins Leben – der Abstieg. Nach der Freude kommt ein Gefühl der Traurigkeit, der Leere. Doch das schafft Motivation für neue Gipfelerlebnisse. Der Gipfelsieg ist ein Zeichen, dass die rein irdischen Begrenzungen überwunden werden können.

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Die Einsamkeit

Auf dem Weg durchs Gebirge gibt es ein irgendeinen Punkt, an dem wir der Einsamkeit begegnen – jeder wird Art und Weise und Zeitpunkt ganz verschieden wahrnehmen.

  • Die ersten Stunden im Gebirge
  • Der Aufstieg
  • Die drückende Last
  • Die Ausgesetztheit der Landschaft
  • Die gewaltige Stille der Bergwelt
  • Nach Erreichen des Gipfels

Am Gipfel sind wir am Ziel, am Endpunkt und doch müssen wir wieder absteigen, heimkehren, neu anfangen im alten Leben. Der Gipfel gewährt uns nur Momente als Angekommene.

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Die Erschöpfung

Der Aufstieg mobilisiert unsere Energie stärker als der Abstieg. Die Aussicht auf Entspannung und Erholung führt uns zurück zum Ausgangspunkt. Ermüdung, Eintönigkeit im Kopf macht sich breit – das große Ziel fehlt (wie oft im wahren Leben).

Jetzt heißt es durchhalten – wir haben die Gewissheit, dass wir unser Ziel erreichen werden und dass das Leben noch viele schöne Blicke eröffnet auf die großen Berge und kleinen reizvollen Dinge am Wegesrand.

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Das Ziel

Das Ziel ist das Ankommen. Die Wegziele sind nur am Beginn bestimmbar, unterwegs werden sie uneindeutiger, veränderlich und wortlos. Der Weg hat ein Ziel, nur liegt es vielleicht nicht dort, wo es anfangs vermutet wurde. Zwischen Weggehen und Ankommen gibt es viele Türen Kein anderer Weg gleicht dem Lebenslauf so wie der Weg durchs Gebirge.

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